Die Kartographie des Raumes: Reisende im Ostsee- und Mittelmeerraum vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert

Die Kartographie des Raumes: Reisende im Ostsee- und Mittelmeerraum vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert

Organizer
Université Paul-Valéry Montpellier 3
Venue
Université Paul-Valéry Montpellier 3
Location
Montpellier
Country
France
From - Until
15.05.2015 - 16.05.2015
Deadline
15.02.2015
Website
By
Maike Manske

Die jüngere Hinwendung der historischen Forschung zur Kategorie "Raum" steht in engem Zusammenhang zu politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen, die im Rahmen der Globalisierung über traditionelle Prozesse territorialer Identifikation und staatlicher Strukturierung hinausgehen. Ziel der hier vorgestellten Tagung ist es, jenseits administrativ-herrschaftlicher, nationaler und territorialstaatlicher Festschreibungen nach räumlichen Vorstellungen, Zuschreibungen und Beschreibungen in der Vergangenheit zu suchen, die sich speziell auf den Ostseeraum und / oder den Mittelmeerraum beziehen und diese Räume geographisch und kulturell auch als solche definieren und kartographisch zu erfassen suchen. Im Rahmen eines durch die Deutsch-Französische Hochschule geförderten Projektes zur Netzwerkbildung von Nachwuchsforschern, das sich mit Selbst-, Fremd-, Raum- und Staatsbildern in der historischen Reiseliteraturforschung befasst, sollen mentale Bilder und Karten, d. h. Bilder und Karten in den Köpfen der Reisenden, rekonstruiert und konkrete ikonographische und kartographische Darstellungen der Reisenden über den Ostsee- bzw. Mittelmeerraum analysiert werden, wobei hier auch Teilräume wie "Norden", "Süden", "Levante", etc. in Frage kommen. Zugrunde gelegt wird dabei weniger ein staatliches als ein geographisches, kulturelles, sprachliches, architektonisches oder literarisches Raumverständnis, das sich in den unterschiedlichsten historischen Quellengattungen ausdrücken kann. Exemplarisch sei hier auf einige mögliche thematisch-wissenschaftliche Ansätze verwiesen: Kartographische Darstellungen in der Reiseliteratur, kartographische Werke, die von den Reisenden genutzt und / oder erstellt wurden, bzw. ihnen geläufig waren, mentale Repräsentationen des Ostsee- bzw. Mittelmeerraumes als Ausdruck der Reiseliteratur, stereotype Darstellungen als vereinfachte Repräsentation komplexer räumlicher Realitäten, ikonographische Darstellungen räumlicher Zusammenhänge, architektonische oder literarische Raumvorstellungen, etc. Denkbar und ausdrücklich wünschenswert wären auch Forschungsansätze, die über moderne Programme der Geo-Lokalisierung und / oder der kartographischen Referenzierung Reiserouten und mentale Raumvorstellungen der historischen Reiseliteratur in Einklang zu bringen versuchen. Auch könnte die Frage gestellt werden, welche übergeordneten Aussagen sich auf der Grundlage des Quellenmaterials über zeitgenössische Wahrnehmbarkeit und Wertigkeit von räumlichen Zuschreibungen treffen lassen und welche Rolle diese Qualitätszuschreibungen innerhalb der Verräumlichung von Herrschaft spielen? Denkbar wären schließlich auch grundsätzliche methodische Überlegungen zur Historizität von Raumzuschreibungen, komparative Forschungsansätze, die Ostsee- und Mittelmeerraum unmittelbar in Relation setzen, oder Fragen, die sich damit beschäftigen, inwieweit die Auseinandersetzung mit andersartigen räumlichen und kulturellen Identitäten dem Reisenden die Gelegenheit bieten, eine eigene "Vermessung der Welt" vorzuschlagen und die eigene Fremdheit zu entdecken. Die Veranstaltung richtet sich an alle Disziplinen der historisch arbeitenden Kultur- und Sozialwissenschaften und zielt speziell auf die Beteiligung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Erbeten werden Abstracts im Umfang von max. 500 Wörtern und eine knappe bio-bibliographische Notiz bis zum 15. Februar 2015 an burghart.schmidt@univ-montp3.fr. Tagungssprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch. Eine sich zügig anschließende Publikation der Beiträge ist vorgesehen.

The Cartography of Space: Voyagers in the Baltic and Mediterranean Regions from the Middle Ages to the 19th Century

Historical research about the category of „space“ – fairly stressed in recent times – is closely related to political, economical, and cultural change, that points, in the context of globalization, to processes exceeding territorial identification and state structures. The conference aims at seeking historical spatial perceptions, attributions and descriptions going beyond administrative, gubernatorial, and national definitions of the Baltic and/or the Mediterranean region.
The category of space has emerged as a key concept for the study of political, economic and cultural transformation. It can be used to study territorial change, but also to trace the development of identities in local, as well global, contexts. The aim of this conference is to explore perceptions of space in the Baltic and Mediterranean regions, both physical and conceptual.The conference is part of a research project supported by the “German-French College” (DFH-UFA). This college provides an opportunity for a network of young scholars to study how the category of space was engaged by historical travelers and recorded in travel literature.,. How did travelers construe mental images and maps and how did these manifest themselves in the iconographic and cartographic depictions of the Baltic and Mediterranean regions. Categories – geographical, cultural, linguistic, architectural and literal - which often are regarded as set, often turn out to be just the opposite, in constant flux. To study a category such as space it is necessary to peruse cartographic depictions in travel literature as entities unto themselves, as well as to elicit how these matters are transformed into mental representations in text. How do stereotypes affect these representations? When do travelers feel the need to simplify complex phenomena to render the various categories of space understandable? How does physical reality relate to the various perceptions of space? How are sources used and created to underscore the desired message? Does size play a role – do conceptions of space differ if the territories in which these journeys are undertaken are of a different size? And does the act of travelling and recording contribute to the realization for the travelers themselves that they, too, are captives of their own strangeness? The conference is open to all who are interested in how the encounter and engagement with foreign territories, cultures and social patterns contribute to transform individuals, societies and perceptions of them. Junior, as well as senior, scholars are welcome to submit abstracts of max. 500 words and a short intellectual biography to burghart.schmidt@univ-montp3.fr. Deadline is February 15, 2015. Talks can be given in German, English, and French. Publication of the contributions will follow shortly after the conference.

Programm

Contact (announcement)

Burghart Schmidt

Université Paul-Valéry Montpellier 3

burghart.schmidt@univ-montp3.fr